In 8 Schritten zum Animationsfilm

In diesem Artikel gehe ich auf die wesentlichen Produktionsschritte eines Animationsfilms ein. Technische Details werde ich dabei außen vor lassen. Ich beschränke mich auf  8 Arbeitsschritte. Ihre Reihenfolge hat sich in den letzten Jahren bewährt. Wird sie befolgt, können unnötige Kosten vermeiden und das optimale Resultat aus dem jeweiligen Budget herausgeholt werden.

1 – Form Follows Function

Von Produktdesignern aber auch Architekten hört man immer wieder diesen Satz “form follows Funktion”. Er bedeutet so viel wie die Form orientiert sich an der Funktion. Auch bei einer 3D Animation hilft es, mit diesem Ansatz zu beginnen. Bevor wir also über eine detaillierte Gestaltung nachdenken, sollten wir ein paar grundlegende inhaltliche Fragen klären:

Was möchte ich überhaupt darstellen?
Was soll kommuniziert werden?
Was möchte ich mit der 3D Animation erreichen?
Wer ist mein Zielpublikum?
Wo möchte ich die Animation zeigen?

Wie fügt sich die Animation in das Gesamtbewegtbildkonzept ein?

Erst wenn hier Klarheit herrscht, können wir über den Stil der Animation nachdenken:

2 – Grobkonzept (Visualität) der Animation festlegen

Eventuell haben Sie schon eine Vorstellung davon, was zu Ihrem Corporate Design passt. Ich kann Sie aber auch beraten, Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten zeigen. Hierzu werde ich unterschiedliche Referenzanimationen heranziehen.

Haben Sie sich für einen Animationsstil entschieden, z.B. für eine sprachgeführte Animation mit dynamischen Kamerafahrten und einem realistischen Look, beeinflusst das auch die Tonebene: d.h. ob Sprecher, Musik und Soundeffekte eingeplant sind oder nicht.

3 – Storyboard – Reihenfolge von Text und Bild

Anschließend wird das inhaltliche Konzept in ein Storyboard überführt: Bei diesem Schritt legt man die Reihenfolge der Text- und Bildebene fest. Danach sollte feststehen, welches Bild man zu welchem Text zeigt, um z. B. eine Text-Bild-Schere zu vermeiden.

4 – Animatic – Timing und Kamerafahrten

Jetzt beginnt der spannende Teil der Produktion: Im 3D Programm Autodesk 3ds max und im Schnittprogramm Adobe Premiere wird zunächst eine Entwurfsversion des Films erstellt. Es ist ein einfacher Film ohne aufwendige Berechnungen der 3D Software – z.B. ohne realistische Beleuchtung und Reflexionen. Man nennt diese Form des Films auch Layout oder Animatic.
Ziel dieser Entwurfsphase ist es, die Kamerafahrten und den zeitlichen Ablauf der Animation festzulegen – also was, wann und wie zu sehen sein soll.
Ist ein Sprecher vorgesehen, hilft es, wenn die Sprachaufnahmen bereits vorliegen. Das Timing im Bild kann man dann darauf anpassen und vermeidet so, dass eine Text-Bild-Schere entsteht.

5 – 3D Modelle

Meist kann man parallel zur Erstellung des Animatics auch schon an den 3D Modellen arbeiten, sie werden auch 3D Assets genannt. Dabei ist es Ziel, den „Look and Feel“ festzulegen. Die 3D Modelle kann ich z.B. anhand bereits existierender 3D Daten erstellen oder ich orientiere mich bei ihrer Erstellung an Skizzen und Referenzbildern (z.B. Fotos). Die 3D Modelle müssen in der Regel gesondert abgenommen werden.

6 – 3D Shotproduktion

Nach Fertigstellung des Animatics und der 3D Assets beginne ich mit der Arbeit an den einzelnen Szenen. Wichtig ist aber auch die Lichtsetzung, mit der man eine stimmungsvolle Atmosphäre schafft. Sind alle Animationen fertig, folgt ein High-End Compositing. Hierbei füge ich mit dem Programm Nuke z.B. Farbkorrekturen hinzu, aber auch Effekte wie Lens Flares, Vignetten oder Glows.

7 – Vertonung und 2D Elemente

Mit Abschluss des Animatic kann mit der Vertonung und der Erstellung von 2D Elementen begonnen werden. Zu den 2D Elementen gehören animierte Titel, Bauchbinden und Logos. Da sich das Timing in der Shotproduktion allerdings noch geringfügig ändern kann, ist es sinnvoll, die Finalisierung des Bilds abzuwarten.

8 – Encoding

Am Ende steht noch das Encoding an – etabliert hat sich für FullHD-Produktionen der Codec H.264. Vor allem für das Web ist er sehr gut geeignet. Bei Bewegtbild in sehr hohen Auflösungen (4k oder 8k) wird meist mit MJPEG encoded.